Native Advertising“ vs. Trennungsgebot

In letz­ter Zeit hört man immer öfter den Begriff „Native Adver­ti­sing“. Das ist so eine Art Adver­torial (= ver­kappte Wer­bung) auf Web­sei­ten. Wich­tig ist im Kon­text von Online ins­be­son­dere, dass beim „Native Adver­ti­sing“ Wer­bung über das Con­tent Manage­ment Sys­tem (CMS) und nicht über den oder die Adser­ver aus­ge­lie­fert wird – Wer­be­blo­cker lau­fen dann prin­zip­be­dingt meist ins Leere, was sowohl Wer­be­trei­bende als auch Sei­ten­be­trei­ber natür­lich ganz toll fin­den.

Ich erwarte aber, dass es durch „Native Adver­ti­sing“ zu deut­lich mehr Ver­stö­ßen gegen den Pres­se­ko­dex und ins­be­son­dere des­sen Zif­fer 7 zum Thema Tren­nung von Wer­bung und Redak­tion kom­men wird. Der Pres­se­ko­dex sagt klar

…dass redak­tio­nelle Ver­öf­fent­li­chun­gen nicht durch pri­vate oder geschäft­li­che Inter­es­sen Drit­ter oder durch per­sön­li­che wirt­schaft­li­che Inter­es­sen der Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten beein­flusst wer­den. Ver­le­ger und Redak­teure weh­ren der­ar­tige Ver­su­che ab und ach­ten auf eine klare Tren­nung zwi­schen redak­tio­nel­lem Text und Ver­öf­fent­li­chun­gen zu werb­li­chen Zwecken. Bei Ver­öf­fent­li­chun­gen, die ein Eigen­in­ter­esse des Ver­la­ges betref­fen, muss die­ses erkenn­bar sein.

Eine klare Tren­nung zwi­schen redak­tio­nel­lem Text und Ver­öf­fent­li­chun­gen zu werb­li­chen Zwecken wird es beim „Native Adver­ti­sing“ genauso wie bei Print-Advertorials oft nicht geben, weil diese ja den gewünsch­ten Anschein eines redak­tio­nel­len Bei­trags zunich­te­ma­chen würde.

Auch wenn mein Gehalt als Online-Journalist zu einem nicht uner­heb­li­chen Teil über Wer­bung finan­ziert wird, berei­tet mir „Native Adver­ti­sing“ ziem­li­che Bauch­schmer­zen. Wes­we­gen ich auch jedem emp­fehle, sich über offen­sicht­li­che Ver­stöße gegen den Pres­se­ko­dex und das Tren­nungs­ge­bot des Pres­se­rechts zu beschwe­ren – damit der­ar­tige Aus­wüchse nicht wei­ter zuneh­men.

Autor: Thomas Cloer

Thomas Cloer ist Corporate Communications Manager in München. Hier schreibt er privat über allerlei, was ihn so interessiert.

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