Google und der Gegenwind

Google Happy Halloween! 2008 Doodle designed by Wes Craven

Goog­le muss auf­pas­sen. Die Stim­mung wen­det sich zuse­hends gegen den Inter­net­kon­zern. Dabei tut der eigent­lich nur das Glei­che wie seit Jah­ren – die mit wei­tem Abstand popu­lärs­te Inter­net­su­che anbie­ten, mit den Anzei­gen um die­se Suche her­um viel Geld ver­die­nen, mit die­sem Geld jede Men­ge prak­ti­sche Diens­te ent­wi­ckeln und die­se jeder­mann (zumeist kos­ten­los) anbie­ten.

Wer die­se prak­ti­schen Diens­te rich­tig effek­tiv nut­zen will, der muss frei­lich Goog­le dazu auch ein paar Din­ge über sich ver­ra­ten. Wie­viel ein jeder preis­gibt, lässt sich sehr gra­nu­lar steu­ern und bleibt auch jedem selbst über­las­sen; eben­so wie über­haupt nie­mand die Suche und übri­gen Ser­vices von Goog­le nut­zen muss. Ich fin­de es des­we­gen voll­kom­men ver­kehrt, über Goog­le als „Daten­kra­ken” oder Mono­po­lis­ten zu reden. Goog­le ist Markt­füh­rer, und dazu tra­ge ich jeden Tag mit Ver­gnü­gen mein Scherf­lein bei.

Nur damit an die­ser Stel­le kein Miss­ver­ständ­nis auf­kommt: Natür­lich muss man sehr wohl dar­auf ach­ten, dass Goog­le mit unse­ren vie­len Daten, die in klei­nen Häpp­chen über sei­ne unzäh­li­gen Ser­ver ver­teilt lie­gen, sorg­fäl­tig umgeht und kein Schind­lu­der damit treibt. Was Goog­le mei­ner Ein­schät­zung nach schon im eige­nen Inter­es­se tut (dar­auf ach­ten mei­ne ich) und auch zukünf­tig tun wird. Schließ­lich ist die Kon­kur­renz im Inter­net immer nur einen Klick ent­fernt.

Nun bin ich ja von Berufs wegen Jour­na­list. Das ist ein schö­ner Beruf mit sehr vie­len Frei­hei­ten. Der auch schon mal noch schö­ner war, Stich­wort Medi­en­kri­se. Heu­te aber habe ich mich zum ers­ten Mal seit lan­ger Zeit geschämt, Jour­na­list zu sein. Eher fremd­ge­schämt aller­dings. Und zwar für unse­re Stan­des­ver­tre­tung, den Deut­schen Jour­na­lis­ten-Ver­band (DJV). Der for­dert näm­lich in per­so­nam sei­nes Vor­sit­zen­den Micha­el Kon­ken heu­te eine

kon­zer­tier­te Akti­on mit den Urhe­bern gegen­über dem Mono­po­lis­ten Goog­le.

Ange­spro­chen wer­den dabei expli­zit „Ver­le­ger und Poli­tik”. Kon­ken warnt vor „der wach­sen­den Mei­nungs­macht von Goog­le” und for­dert dage­gen gesetz­li­che Rege­lun­gen ein:

Der Gesetz­ge­ber muss einer­seits der Gra­tis-Kul­tur des Inter­nets zu Guns­ten der Urhe­ber einen wirk­sa­men Rie­gel vor­schie­ben und ande­rer­seits die Befug­nis­se des Bun­des­kar­tell­am­tes so aus­wei­ten, dass die Behör­de Mei­nungs­mo­no­po­le im Inter­net ver­hin­dern kann.

Ich weiß nicht, was der Herr Kon­ken geraucht oder genom­men oder was ihn bei die­sen Aus­sa­gen gerit­ten hat. Aber ich weiß, dass an der Gra­tis-Unkul­tur des Inter­nets nicht Goog­le Schuld ist. Son­dern die Ver­la­ge selbst, die ihre Inhal­te alle­samt kos­ten­los ins Netz gestellt haben (wenn man von weni­gen Aus­nah­men wie dem „Wall Street Jour­nal” oder der Stif­tung Waren­test absieht) und jetzt das Rad weder zurück­dre­hen noch neu erfin­den kön­nen. Und ich weiß, dass Goog­le kein Mei­nungs­mo­no­pol hat. Goog­le ist näm­lich ein­fach ein neu­tra­ler Platt­form­an­bie­ter. Über sei­ne Platt­form ver­brei­tet es die Mei­nun­gen ande­rer. Wer schlau ist, der nutzt die­se Platt­for­men zu sei­nem Vor­teil. Wer dar­auf ver­zich­tet, sie zu nut­zen, ist selbst Schuld.

Womit wir auch schon bei der „Ham­bur­ger Erklä­rung” ange­langt wären. Die­ses von Sprin­ger-Chef Mathi­as Döpf­ner ange­streng­te Pam­phlet haben inzwi­schen zahl­rei­che Ver­la­ge unter­zeich­net, die meis­ten davon aus Deutsch­land. In dem Papier heißt es:

Das Inter­net ist für den Jour­na­lis­mus eine gro­ße Chan­ce. Aber nur, wenn die wirt­schaft­li­che Basis auch in den digi­ta­len Ver­triebs­ka­nä­len gesi­chert bleibt. Das ist der­zeit nicht der Fall.

Und wei­ter:

Frei­er Zugang zu Web­sei­ten bedeu­tet nicht zwin­gend kos­ten­lo­sen Zugang. Wir wider­spre­chen all jenen, die behaup­ten, dass Infor­ma­ti­ons­frei­heit erst her­ge­stellt sei, wenn alles kos­ten­los zu haben ist. Der freie Zugang zu unse­ren Ange­bo­ten soll erhal­ten blei­ben, zum Ver­schen­ken unse­res Eigen­tums ohne vor­he­ri­ge Zustim­mung möch­ten wir jedoch nicht gezwun­gen wer­den.

Unge­neh­mig­te Nut­zung frem­den geis­ti­gen Eigen­tums muss ver­bo­ten blei­ben. Am Ende muss auch im World Wide Web gel­ten: Kei­ne Demo­kra­tie gedeiht ohne unab­hän­gi­gen Jour­na­lis­mus.

Alles schön und gut. Die Kurz­fas­sung aus mei­ner Sicht: Wir füh­ren Paid Con­tent wie­der ein. Viel Spaß dabei (wenn die Inhal­te so blei­ben, wie sie der­zeit sind; s.u.). Rich­tig ärger­lich fin­de ich an der „Ham­bur­ger Erklä­rung” neben dem – wie beim DJV voll­kom­men abwe­gi­gen – Ruf nach dem Gesetz­ge­ber aber vor allem fol­gen­den Pas­sus:

Zahl­rei­che Anbie­ter ver­wen­den die Arbeit von Auto­ren, Ver­la­gen und Sen­dern, ohne dafür zu bezah­len. Das bedroht auf die Dau­er die Erstel­lung von Qua­li­täts-Inhal­ten und von unab­hän­gi­gem Jour­na­lis­mus.

Wel­che Anbie­ter sind hier bit­te­schön gemeint? Doch nicht etwa die gan­zen Auto­ren, Ver­la­ge und Sen­der selbst, die hem­mungs­los von­ein­an­der abkup­fern, ohne sich an jour­na­lis­ti­sche Grund­prin­zi­pi­en wie das Nen­nen der ursprüng­li­chen Quel­le zu hal­ten?

Goog­le jeden­falls kann aus mei­ner Sicht schwer­lich gemeint sein. Denn Goog­le tut pri­mär eines: Auf die Inhal­te von Auto­ren, Ver­la­gen und Sen­dern ver­wei­sen, damit sie von mög­lichst vie­len Men­schen gefun­den wer­den kön­nen.

Die Erstel­lung von Qua­li­täts-Inhal­ten und der unab­hän­gi­ge Jour­na­lis­mus sind in der Tat bedroht. Und zwar zu einem Gut­teil durch die Ver­le­ger, wel­che schein­hei­lig die „Ham­bur­ger Erklä­rung” unter­zeich­net haben. Nach­dem sie jah­re­lang die Redak­tio­nen in ihren Medi­en­häu­sern dezi­miert, die Hono­ra­re und Rech­te frei­er Jour­na­lis­ten beschnit­ten und ihre Web­sei­ten von teu­er bezahl­ten „SEO-Exper­ten” haben klick­op­ti­mie­ren las­sen.

Zwi­schen Goog­le und den Medi­en­häu­sern gibt es einen ent­schei­den­den Unter­schied: Goog­le ist eine Fir­ma, die mit dem Inter­net groß gewor­den ist und das neue Medi­um nahe­zu per­fekt zu nut­zen ver­steht. Die Medi­en­häu­ser, frü­her Ver­la­ge genannt. kom­men aus der Vor­zeit des Inter­net. Aus die­ser „guten alten Zeit” sind sie fet­te Mar­gen und Gewin­ne gewohnt, die ihnen nun seit Jah­ren weg­bre­chen. Und die es so nie wie­der geben wird.

Das Inter­net mit sei­nen neue Mög­lich­kei­ten der Kom­mu­ni­ka­ti­on und Ver­net­zung hat näm­lich die Medi­en­land­schaft und Medi­en­nut­zung grund­le­gend ver­än­dert*. Die Medi­en­häu­ser aber haben das viel zu lan­ge nicht ver­stan­den und gedacht, sie könn­ten ein­fach ihre bis­he­ri­gen Pro­duk­te eins zu eins ins Netz packen und wei­ter­ma­chen wie gewohnt. Mit den glei­chen alten Leu­ten und dem glei­chen alten „Mind­set”. Und die­se glei­chen alten Leu­te mit dem glei­chen alten „Mind­set” haben immer noch das Sagen. Anders sind die DJV- und „Ham­bur­ger Erklä­rung” nicht zu erklä­ren**.

Die nächs­te Gene­ra­ti­on von mün­di­gen Medi­en­kon­su­men­ten holt sich ihre Infor­ma­tio­nen sowie­so nur noch aus dem Netz (für ein paar gut gemach­te, ana­ly­ti­sche und hin­ter­grün­di­ge Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten wird es natür­lich trotz­dem noch lan­ge einen Markt geben). Für die Medi­en­häu­ser – und damit auch für mich – gibt es des­we­gen nur eine Chan­ce: Das Inter­net mit sei­nen neu­en Mög­lich­kei­ten aktiv nut­zen und jour­na­lis­ti­sche Inhal­te in einer sol­chen Qua­li­tät und Exklu­si­vi­tät pro­du­zie­ren, dass die Leser dafür wie­der Geld in die Hand neh­men bezie­hungs­wei­se aus der Hand geben. Mit aus­tausch­ba­ren Agen­tur­mel­dun­gen oder grenz­de­bi­len Bil­der­stre­cken und Quiz­zes wird das jeden­falls nicht zu machen sein.

Von der tech­ni­schen Sei­te brau­chen wir dafür drin­gend noch zwei Din­ge, die viel zu lan­ge ver­schleppt und ver­schlampt wor­den sind: Eine ande­re „Wäh­rung” für die Bewer­tung von Web­sites als die lei­di­ge Page Impres­si­on und ein auf brei­ter Front eta­blier­tes, ein­fach zu bedie­nen­des Micro­payment-Sys­tem mit gerin­gen Trans­ak­ti­ons­kos­ten (!). Goog­le brau­chen wir auch, damit die wer­ti­gen Inhal­te mög­lichst gut gefun­den und mög­lichst weit ver­brei­tet wer­den. Das kön­nen zukünf­tig viel­leicht auch ande­re über­neh­men; im Moment ist da aber auf brei­ter Front nie­mand in Sicht.

Lan­ger Rede kur­zer Sinn: Hört auf, Goog­le zu ver­teu­feln und Eure/unsere haus­ge­mach­ten Pro­ble­me einer Inter­net­fir­ma in die Schu­he zu schie­ben, die nichts dafür und Euch/uns eher hel­fen als scha­den kann, lie­be Ver­le­ger und ver­blie­be­ne Jour­na­lis­ten­kol­le­gen!

* Zur wei­ter­füh­ren­den Lek­tü­re emp­feh­le ich jedem (wirk­lich jedem!) das Buch „Was Wür­de Goog­le Tun?” (WWGT oder auch WWGD wegen des eng­li­schen Ori­gi­nal­ti­tels) von Jeff Jar­vis. Der gute Jeff bringt es ein­fach auf den Punkt.

** Die adäqua­te Ant­wort von Goog­le-Mann Josh Cohen steht im Euro­pean Public Poli­cy Blog.

Klei­nes Update einen Tag spä­ter: Ich bin nicht der Ein­zi­ge. Sie­he etwa der offe­ne Brief von Björn Sie­vers an Micha­el Kon­ken und die­ser gewohnt flap­si­ge Tweet von Tho­mas Knüwer:

Konken-Tweet von @tknuewer

Lost Tunes

Lost Tunes Logo

Viel­leicht kennt es ja schon längst jeder, für mich war es neu: Lost Tunes ist eine Web­site, wo man jede Men­ge gute Musik digi­tal und legal kau­fen kann, die es woan­ders nicht (mehr) gibt. Alles in her­vor­ra­gen­der Qua­li­tät, näm­lich MP3 mit 320 kbps. Ich bin übri­gens auf Lost Tunes – betrie­ben von Uni­ver­sal Music – gesto­ßen, als ich „Glad it’s all over” von Cap­tain Sen­si­ble lan­ge gesucht und schließ­lich gefun­den habe…

PAUL WELLER At The BBC Digital Bundle cover

Nach­dem ich eben wie­der ein biss­chen bei Lost Tunes gestö­bert habe, quält mich jetzt die Fra­ge, ob ich mir für £60 das PAUL WELLER At The BBC Digi­tal Bund­le gön­nen soll? Für 188 Songs ist das gar nicht mal so viel Geld…

Womit ich immer noch ein Pro­blem hät­te, was mei­ne iTu­nes-Media­thek betrifft: Schon ewig bin ich auf der Suche nach „Sit­tin’ In The Dark” von Caro­ly­ne Mas, erschie­nen 1980 auf dem legen­dä­ren Live-Album „Mas Hys­te­ria”. Lost Tunes hilft da lei­der auch nicht wei­ter. Falls den Titel jemand haben soll­te oder weiß, wo ich ihn her­be­kom­men könn­te: Bit­te mel­den!

Goldman Sucks

Die US-ame­ri­ka­ni­sche Invest­ment-Bank Gold­man Sachs hat also in ihrem zwei­ten Fis­kal­quar­tal 13,76 Mil­li­ar­den Dol­lar umge­setzt und 3,44 Mil­li­ar­den Dol­lar ver­dient. Ange­sichts der welt­wei­ten Finanz- und Wirt­schafts­kri­se sind das gera­de­zu atem­be­rau­ben­de Zah­len.

Reich­lich zum Kot­zen fin­de ich aller­dings, dass einem Bericht der „Finan­ci­al Times” zufol­ge Mana­ger („Part­ner”) eben­die­ser Invest­ment-Bank Gold­man Sachs nach dem Zusam­men­bruch von Leh­man Bro­thers im ver­gan­ge­nen Sep­tem­ber Akti­en im Wert von rund 700 Mil­lio­nen Dol­lar ver­kauft haben. Die Ver­käu­fe pas­sier­ten mehr­heit­lich in einem Zeit­raum, in dem Gold­man Sachs mit zehn Mil­li­ar­den Dol­lar von der US-Regie­rung gestützt wur­de. Die­se Arsch­lö­cher krie­gen ein­fach den Hals nicht voll.

Ich erlau­be mir an die­ser Stel­le, ein paar Sät­ze von Franz-Josef Rader­ma­cher zu zitie­ren, der vor kur­zem bei uns in der Fir­ma im Rah­men eines Vor­trags die Hin­ter­grün­de der Finanz­kri­se erläu­tert hat.

Die Modi­fi­ka­tio­nen der Finanz­markt­re­gu­lie­run­gen der letz­ten Jah­re erlau­ben dabei ver­gleichs­wei­se klei­nen Grup­pen von Pre­mi­um-Akteu­ren die Gene­rie­rung von Geld qua­si aus dem Nichts durch neue For­men der Geld­neu­schöp­fung unter Nut­zung inno­va­ti­ver Finan­zie­rungs­in­stru­men­te und bestimm­ter For­men von Schuld­ver­schrei­bun­gen. Die Instru­men­te sind dabei so kom­plex, dass kaum einer – außer Insi­dern – sie ver­steht – schon gar nicht in ihrem Zusam­men­wir­ken.

Und wei­ter:

Ins­ge­samt ist dies eine Ent­wick­lung, bei der die Sta­bi­li­tät durch immer grö­ße­re Kurz­fris­tig­keit gefähr­det wird, auch zu Las­ten der Zukunft. Aller­dings besitzt die­se Ent­wick­lung den „Charme“, den hohe sozia­le Ungleich­heit immer schon für bestimm­te Ver­tre­ter der Eli­ten besitzt und der in der Lite­ra­tur unter den Begrif­fen Pre­ka­ri­sie­rung bzw. Bra­si­lia­ni­sie­rung dis­ku­tiert wird, ver­bun­den mit einer zuneh­men­den Aus­he­be­lung der Demo­kra­tie.

Rader­ma­cher ist nach mei­ner Ein­schät­zung ein bril­li­an­ter Uni­ver­sal­ge­lehr­ter (davon gibt es heu­te nicht mehr vie­le) und außer­dem einer der Köp­fe hin­ter der Initia­ti­ve Glo­bal Mar­shall Plan.

Volksverdummung (TV)

Er trau­te sei­nen Augen nicht.

War es tat­säch­lich mög­lich, dass dies das Leben so vie­ler Men­schen bestimm­te? Die­ser – Mist war eine zu schwa­che Bezeich­nung. Er fand kei­nen Aus­druck, der nied­rig genug war. Er konn­te sich nicht damit abfin­den, dass etwas Der­ar­ti­ges in die mensch­li­che Sphä­re ein­ge­drun­gen war.

Und er hat­te geglaubt, recht abge­stumpft zu sein. Auf fes­tem Grund und Boden.

Es war ein­fach sagen­haft, was da vier­und­zwan­zig Stun­den lang ins Bewusst­sein der Men­schen geflim­mert wur­de. Kon­stant ver­dum­men­de Wer­bung mit kur­zen Unter­bre­chun­gen für noch mehr ver­dum­men­de Pro­gram­me. Soaps, Doku­so­aps, Spiel- und Quiz­pro­gram­me, Sex­so­fas mit Pseu­do­pro­mis, soge­nann­te Doku­men­ta­tio­nen bar jeder Recher­che, immer dürf­ti­ge­re Sport­pro­duk­tio­nen. Soge­nann­te For­ma­te, die wahl­los für Fan­ta­sie­sum­men aus allen Län­dern gekauft wur­den. Die Wer­bung erschien plötz­lich als ein ver­söhn­li­cher Zug des Medi­ums.

Wie kam es, dass die gesam­te west­li­che Welt in nur weni­gen Jah­ren jedes grund­le­gen­de Gefühl für Qua­li­tät ver­lo­ren hat­te?

Plötz­lich war ihm klar – wie in einer reli­giö­sen Offen­ba­rung –, dass die Geschich­te die­se Epo­che als ver­lo­ren ein­stu­fen wür­de. Eine tote Zeit. In der Gene­ra­ti­on auf Gene­ra­ti­on men­tal ein­ge­schlä­fert wur­de – mit Bil­li­gung der Regie­run­gen. In der Kin­der nie die Chan­ce beka­men, erwach­sen zu wer­den, und Erwach­se­ne zu Kin­dern degra­diert wur­den – aller­dings zu Kin­dern ohne jede Krea­ti­vi­tät oder Intel­li­genz. Ohne all das, was Kind­heit eigent­lich bedeu­tet.

[…]

Dass das gan­ze Land mit Schund gefüt­tert wur­de. Als ob es Nah­rung wäre.

Ein paar Zei­len aus „Unge­scho­ren” – Piper, ISBN 978–3-492–25309-3 – von Arne Dahl (Jan Arnald, der auch für die Schwe­di­sche Aka­de­mie arbei­tet), das ich ges­tern im Zug ange­fan­gen habe. Womit ein­mal mehr bewie­sen wäre, dass „Kri­mi­nal­ro­man” als Gat­tung oft nur bedingt taugt. Vor allem bei den Auto­ren aus Skan­di­na­vi­en. Ich oute mich hier­mit als gro­ßer Fan von Dahl, Åke Edward­son und last, but not least Jan Guill­ou. Um nur die liebs­ten drei zu nen­nen.

Hörprobe gefällig(st)?!

Was für einen Kopf­hö­rer-Müll Apple mit sei­nen iPods und iPho­nes aus­lie­fert, merkt man eigent­lich sofort, wenn man mal ver­nünf­ti­ge Head­pho­nes an sein Gerät stöp­selt.

Wes­we­gen ich dann heu­te auch mal im Münch­ner Apple Store war und mir die „Tour” Beats by Dr. Dre zuge­legt habe.

Eigent­lich schrei­be ich das hier aber, um mei­nem Ärger über den Store ein biss­chen Luft zu machen. Wenn ich €150 für ein Paar In-Ears hin­blät­te­re, dann möch­te ich die bit­te­schön vor­her auch hören – die Beats lie­gen übri­gens preis­lich eher im Mit­tel­feld (!) des Ange­bots, die rich­tig teu­ren Gerät­chen kann man aber natür­lich eben­so­we­nig aus­pro­bie­ren.

Man ver­zich­te „aus hygie­ni­schen Grün­den” dar­auf, die Dre-Kopf­hö­rer in der Aus­stel­lung zu prä­sen­tie­ren, ver­riet mir eine über­aus freund­li­che Store-Mit­ar­bei­te­rin.

Nun, Apple – dann braucht Ihr Euch nicht zu wun­dern, wenn sich oben auf vie­len Head­pho­ne-Ver­pa­ckun­gen die deut­lich sicht­ba­re Staub­schicht absetzt, die ich heu­te mit eige­nen Augen besich­ti­gen konn­te. Mer­ke: Wer teu­re Kopf­hö­rer ver­kau­fen will, der soll­te auch bereit sein, ein paar Euro für Aus­stel­lungs­stü­cke abzu­schrei­ben. Weil die meis­ten Kun­den nicht so blöd sind wie ich und so viel Geld aus­ge­ben, ohne die Head­pho­nes vor­her wenigs­tens gehört zu haben. Den Kauf habe ich nicht bereut, aber den mehr­wert­frei­en Besuch im Laden schon. Da hät­te ich schließ­lich auch gleich online ordern und mir den Weg in die ner­vi­ge Innen­stadt spa­ren kön­nen.

Hubert Burda im Jammertal

Hubert Bur­da klagt heu­te in der „FAZ” der Medi­en­welt sein Leid. Ich bin kein Abon­nent. Im Web lese ich lei­der ledig­lich:

Wir wer­den schlei­chend ent­eig­net

Mit den Inhal­ten der Pres­se im Inter­net ver­die­nen vie­le, nur nicht die Ver­la­ge. Das muss sich ändern, das Netz trans­pa­ren­ter wer­den. Der Gesetz­ge­ber ist gefragt. Von Hubert Bur­da.

(plus den Ein­stiegs­ab­satz, der kei­ne ver­wert­ba­ren Aus­sa­gen enhält)

Für den Rest des Tex­tes müss­te ich zwei Euro bezah­len. Was ich nicht tun wer­de. Herr Bur­da als guter Freund von Jeff Jar­vis soll­te eigent­lich „WWGD” gele­sen und ver­stan­den haben. Daher ist es voll­kom­men unver­ständ­lich, dass er sei­nen Text hier weg­sperrt. Denn so ver­die­nen er bezie­hungs­wei­se die „FAZ” auf lan­ge Sicht ganz sicher nichts im Inter­net.

Neuer Tweet von tknuewer zum Burda-Unfug

Ganz neben­bei wur­de „Hub­si” gera­de für wei­te­re drei Jah­re zum Prä­si­den­ten des Ver­ban­des deut­scher Zeit­schrif­ten­ver­le­ger (VDZ) gewählt. Der ges­tern nichts Bes­se­res zu tun hat­te, als den seit 1998 gül­ti­gen – und in eini­gen Punk­ten zuge­ge­ben nicht mehr ganz zeit­ge­mä­ßen – Man­tel­ta­rif­ver­trag für Redak­teu­re an Zeit­schrif­ten auf­zu­kün­di­gen. Die Redak­teu­re sol­len künf­tig, ver­ein­facht aus­ge­drückt, für weni­ger Geld mehr arbei­ten.

Ob das Qua­li­tät der Inhal­te der Pres­se beför­dert, mit denen Herr Bur­da im Inter­net Geld ver­die­nen möch­te? Wohl kaum.

Update: Inzwi­schen steht Bur­das Arti­kel voll­stän­dig im Netz. Bes­ser wird er davon nicht.

Tausend Wünsche. Eine Quelle?

Ich kann nicht glau­ben, was Tom Buhr­ow eben in den „tages­the­men” ver­kün­det hat: Quel­le soll, falls nicht die EU-Kom­mis­si­on mor­gen noch ihr Veto ein­legt, tat­säch­lich die­sen soge­nann­ten Mas­se­kre­dit über 50 Mil­lio­nen Euro erhal­ten (davon die Hälf­te vom Bund) und sich so wenigs­tens bis zum Weih­nachts­ge­schäft schlep­pen kön­nen.

Eine kras­se und rein popu­lis­ti­sche (Super­wahl­jahr, remem­ber?) Fehl­ent­schei­dung – den Laden soll­te man bes­ser frü­her als spä­ter dicht­ma­chen. Er hat kei­ne Zukunft mehr, falls er je eine gehabt haben soll­te. Wer frü­her bei Quel­le bestellt hat, kauft heu­te bei Tchi­bo oder beim Dis­coun­ter. Und wer jün­ger ist, bestellt bei Ama­zon, eBay und Dawan­da.

Stellt Euch mal ganz ehr­lich die Fra­ge: Wür­det Ihr noch etwas bei Quel­le bestel­len?

Den Mas­se­kre­dit kann man des­we­gen mei­net­we­gen auch gleich ver­bren­nen. Die Kon­kurs­mas­se wird spä­ter näm­lich nicht rei­chen, um die bevor­zug­ten Gläu­bi­ger aus­zu­zah­len. Die Mit­ar­bei­ter – um die es mir ehr­lich leid­tut! – sit­zen eh bald auf der Stra­ße. Und das Manage­ment wird sich mit mehr oder weni­ger gol­de­nen Fall­schir­men aus der Ver­ant­wor­tung und davon­steh­len wie üblich.

Das Schlimms­te aber ist, dass jetzt erst recht noch jede Men­ge Fir­men um Staats­hil­fe bet­teln wer­den, die durch Manage­ment-Feh­ler längst vor der Finanz- und Wirt­schafts­kri­se ange­zählt waren. Und dafür zah­len spä­ter sowie­so wir alle mit unse­ren Steu­ern. Die ganz bestimmt nach der Bun­des­tags­wahl am 27. Sep­tem­ber nicht erhöht wer­den, nicht wahr, Frau Mer­kel?

Michael Jackson: Das Trauerspiel ist aus

Ich kann mich noch gut an einen Nach­mit­tag in mei­ner Jugend erin­nern, an dem ich mit ein paar Freun­den am Hohn­sen­see lag. Klaus Faß­ben­der (schnell mal geg­oogelt) hat­te einen Ghet­to­blas­ter dabei, aus dem immer abwech­selnd „Beat It” mit dem Gitar­ren­so­lo von Eddie Van Halen und „The Messa­ge” von Grand­mas­ter Flash dröhn­ten. Damals war Micha­el Jack­son noch rich­tig gut.

Dann aber zeig­te sich zuneh­mend, dass „Jacko” ein­fach nicht klar­kam. „King of Pop”? Bull­shit. Wohl eher King of Pain. Er war schwarz und woll­te weiß sein. Oder zumin­dest aus­se­hen wie Dia­na Ross. In den letz­ten Jah­ren war der Ver­bli­che­ne schlicht ein Wrack und nicht mal mehr ein Schat­ten sei­ner selbst. Hat mir ein­fach nur noch leid­ge­tan.

Nun ist er tot, mit gera­de mal 50. „Beat It”, „Bil­lie Jean”, „Thril­ler” und die guten alten Jack­son-5-Sachen wer­den aber wei­ter Bestand haben. Das ist schö­ne und teil­wei­se auch zeit­lo­se Musik. Immer­hin etwas.

UMTS-Frustration

Ich war heu­te knapp sechs Stun­den mit dem ICE unter­wegs von Ber­lin nach Mün­chen. Ich saß dabei in einem Wagen, der von der Bahn aus­drück­lich als Han­dy-Zone aus­ge­wie­sen war, und hat­te mein Mac­Book und mei­nen HSPA-Stick (T-Mobi­le web’n’walk Stick IV) dabei.

MobileConnect Screenshot

An eine sta­bi­le und schnel­le Inter­net­ver­bin­dung wäh­rend der Fahrt war aller­dings in kei­ner Wei­se zu den­ken. Die UMTS-Ver­bin­dung brach schon bei der Aus­fahrt aus dem Ber­li­ner Hbf zusam­men (von HSPA will ich gar nicht anfan­gen). Unter­wegs gab es dann noch mal eini­ger­ma­ßen schnel­le Ver­bin­dun­gen bei den Auf­ent­hal­ten in Leip­zig, Jena und Nürn­berg. Dazwi­schen gele­gent­lich EDGE und die meis­te Zeit – gefühlt mehr als die Hälf­te der Rei­se­dau­er – über­haupt kei­ne sta­bi­le Daten­ver­bin­dung (was ich dann eh nur noch spo­ra­disch mit dem iPho­ne gecheckt habe, mit dem Note­book hat­te ich längst ent­nervt auf­ge­ge­ben).

Selbst wenn man berück­sich­tigt, dass spe­zi­ell die­se Bahn­stre­cke nicht gera­de durch Bal­lungs­räu­me führt, ist das aus mei­ner Sicht ein a) unhalt­ba­rer Zustand und wider­spricht b) den Behaup­tun­gen mei­nes Netz­be­trei­bers T-Mobi­le in Sachen Netz­ab­de­ckung.

Wie sind Eure Erfah­run­gen so – klappt es bei Euch bes­ser mit dem mobi­len Inter­net? Irgend­wel­che Tipps und Tricks zur Emp­fangs­ver­bes­se­rung?