Router-Showdown: SpeedPort Smart gegen Fritz!Box 7580

Der ein oder ande­re erin­nert sich viel­leicht noch an mei­nen Rant gegen den Tele­kom-WLAN-Rou­ter Speed­Port W724 V, den ich vor allem wegen sei­ner in mei­ner Woh­nung hunds­mi­se­ra­blen WLAN-Leis­tung in Grund und Boden geb­loggt habe. Mitt­ler­wei­le hat­te ich Gele­gen­heit, sowohl sei­nen Nach­fol­ger Speed­Port Smart als auch das neue Fritz!Box-Topmodell 7580 in Ruhe aus­zu­pro­bie­ren. Und an die­sem Wochen­en­de kom­me ich end­li­ch auch dazu, mei­ne Erfah­run­gen und Ein­drü­cke hier auf­zu­schrei­ben.

Fritz!Box 7580, lifestyle, leicht überbelichtet

„Rou­ter-Show­down: Speed­Port Smart gegen Fritz!Box 7580“ wei­ter­le­sen

Speedport Smart von der Telekom – klingt gut

Sieht ganz dana­ch aus, als habe die Deut­sche Tele­kom einen wirk­li­ch guten Nach­fol­ger für den WLAN-kläg­li­chen Speed­port W 724V hin­be­kom­men – heu­te wur­de im Vor­feld der IFA (die Pres­se­kon­fe­renz der Bon­ner ist erst mor­gen) der neue Speed­port Smart prä­sen­tiert. Mit einem Lis­ten­preis von 160 Euro ist der neue Rou­ter etwas teu­rer als der Vor­gän­ger, aber deut­li­ch güns­ti­ger als zum Bei­spiel das neue Fritz!Box-Flaggschiff 7580 (289 EUR).

Speedport Smart, schräg seitlich
Foto: Deut­sche Tele­kom

Von der theo­re­ti­sch mög­li­chen maxi­ma­len WLAN-Geschwin­dig­keit ist der Speed­port Smart, den übri­gens zum Start exklu­siv der chi­ne­si­sche Netz­pri­mus und Tele­kom-Tech­nik­part­ner Hua­wei fer­tigt, der 7580 sogar über­le­gen. Dafür fehlt ihm der S0-Bus zum Anschlie­ßen von ISDN-Equip­ment. Wer das noch braucht, muss ent­we­der zum neu­en Speed­port W 922V (nicht miet­bar) oder halt doch zu AVM grei­fen.

Von der Fritz!Box hat sich die Tele­kom bei eini­gen Fea­tures des Speed­port Smart ein­deu­tig inspi­rie­ren las­sen (um jetzt nicht abkup­fern zu schrei­ben), als da wären der WLAN-Gast­zu­gang – zusätz­li­ch zur Fon-Koope­ra­ti­on WLAN TO GO übri­gens – und eine Benut­zer­ober­flä­che mit wahl­wei­se „Exper­ten­mo­dus” für erwei­ter­te Ein­stel­lun­gen.

Der Speed­port Smart bringt aber durch­aus auch ein paar eige­ne, smar­te Kon­zep­te mit. Zum Bei­spiel ein­fa­ches Anmel­den von Mobil­ge­rä­ten mit NFC oder kom­plet­tes Abschal­ten aller LED-Lämp­chen im „Schlaf­mo­dus”.

Ansons­ten steht das Smart wohl auch für „Smart Home”. Als Steu­er­zen­tra­le dafür taugt der neue Tele­kom-Rou­ter im Augen­bli­ck zwar noch nicht, für 2017 ist aber bereits ein Soft­ware-Update in die­se Rich­tung ange­kün­digt.

Im „End­ge­rä­te-Ser­vice­pa­ket” kos­tet der Speed­port Smart übri­gens im ers­ten Jahr 5,95 EUR pro Monat, dana­ch sinkt die monat­li­che Mie­te auf 4,95 EUR. Sprich: Man muss den Rou­ter min­des­tens zwei­ein­halb Jah­re nut­zen, damit sich der Kauf rech­net (vor­aus­ge­setzt das Gerät bleibt heil). Zur Erin­ne­rung: Der W 724V kam im Juni 2013 auf den Markt.

Finger weg vom Telekom-Router Speedport W 724V

Speedport W 724V, Rückseite
Foto: Deut­sche Tele­kom

Ich habe in die­ser Woche die Göt­ter von Moa­b­it erzürnt. Hat­te ich doch mei­ne Fritz!Box 7490 vom Netz genom­men, ich Dum­mer­chen, und statt­des­sen einen WLAN-Rou­ter von der Tele­kom ange­schlos­sen, genau­er gesagt den Speed­port W 724V, Typ C. Das hat­te ich aus zwei Grün­den getan: Der W 724V unter­stützt als bis­lang ein­zi­ges Gerät die „WLAN-To-Go”-Kooperation mit Fon, außer­dem hat­te es mir das Schnur­los­te­le­fon „Speed­pho­ne 10” vom Desi­gn und Preis her ange­tan.

Jetzt, da ich dies in mein Blog tip­pe, hängt schon wie­der die Fritz!Box am DSL. Der Speed­port ist an sich ein schö­nes Gerät, jedoch ist sei­ne Reich­wei­te und Per­for­man­ce im WLAN eine abso­lu­te Kata­stro­phe. Schon in weni­gen Metern Ent­fer­nung vom Gerät ver­schwin­den Bal­ken in mei­nen Feld­stär­ke­an­zei­gen; alles was ich im Web mache, dau­ert mit dem W 724V gefühlt zwei- bis drei Mal so lan­ge wie an der Fritz!Box. Es gibt dazu auch einen schö­nen, der­zeit 19-sei­ti­gen Thre­ad in der Sup­port-Com­mu­ni­ty der Tele­kom, aber der­glei­chen liest man ja oft erst, wenn das Kind schon im sprich­wört­li­chen Brun­nen liegt. Immer­hin reich­te die blo­ße Erwäh­nung die­ser Dis­kus­si­on vor­hin an der 08003301000 dafür, dass der Agent aus dem dia­lek­ti­schen Osten mir ohne wei­te­re Aus­füh­run­gen sofort eine Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund zubil­lig­te und die Zusen­dung eines Retou­ren­scheins für den W 724V bereits ver­an­lasst hat.

Community-Posting von Stefan K, Telekom_hilft

Der Ham­mer ist aber wirk­li­ch, dass die Tele­kom den Speed­port W 724V wei­ter­hin mas­sen­haft an ihre Kun­den ver­mie­tet und ver­kauft, obwohl sie längst weiß, dass das Gerät in punc­to WLAN-Per­for­man­ce abso­lu­ter Schrott ist. Für Kun­den mit IP-Anschluss ist das Gerät gera­de sei­tens der Tele­kom sogar die ein­zi­ge Wahl – beson­ders pikant ange­sichts der aktu­el­len Zwangs­um­stel­lun­gen –, weil der W 921V seit Spät­som­mer 2014 nicht mehr ver­trie­ben wird. Ein 900er-Nach­fol­ger ist der­zeit nicht in Sicht; die Zulie­fe­rer (zu denen der Fritz!Box-Bauer AVM ja lei­der momen­tan nicht mehr gehört) haben ihre Ent­wick­lungs­ka­pa­zi­tä­ten zuletzt wohl aus­schließ­li­ch auf den kom­men­den Hybrid-Rou­ter kon­zen­triert, der Band­brei­ten aus Fest­netz und Mobil­funk bün­delt.

Noch ein paar Worte zum oben bereits erwähn­ten Speed­pho­ne 10: Das Gerät kann ich lei­der nicht ein­fach so auch an der Fritz!Box betrei­ben. Schuld ist der unter­schied­li­che Umgang von Tele­kom und AVM mit der DECT-Wei­ter­ent­wick­lung CAT-iq. Die Tele­kom setzt bei ihren Gerä­ten aktu­ell auf die CAT-iq-Spe­zi­fi­ka­ti­on 2.x (um sich mög­lichst unab­hän­gig von Tele­fon­her­stel­lern zu machen ver­mut­li­ch). AVM hin­ge­gen nutzt für Fritz!Box und Fritz!Fon Tech­nik aus CAT-iq 1.0 ver­mischt mit eige­nen, pro­prie­tä­ren Erwei­te­run­gen und will sei­ne Gerä­te nicht zer­ti­fi­zie­ren las­sen.

Also steht jetzt neben der 7490 „not­ge­drun­gen” wie­der ein Fritz!Fon C4. Das ich häss­li­ch fin­de, weil es bil­lig wirkt und eine Benut­zer­ober­flä­che hat, die genauso alt­ba­cken scheuß­li­ch daher­kommt wie das Web-Inter­face der Fritz!Box selbst. Die Her­stel­ler zwin­gen uns Kun­den läs­ti­ger­wei­se durch die nor­ma­ti­ve Kraft des Fak­ti­schen zu einer Gerä­te-Mono­kul­tur inner­halb ihrer Mar­ken­welt. Das nervt gewal­tig.